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Maria Kontis' Visible Invisible (English version)
We turn to Kontis' drawings in order to see more than what is accessible
to our vision. She does not draw what we see in our day to day lives.
Her drawings do not simply copy or represent what we have already seen.
They are a fascinating addition to the organisation and management of
our vision. They are an excess to any administered and technologically
controlled vision.
In these drawings something slips beneath our gaze. A photograph is transformed.
Letters on a page fall away into eternity. Each visible thing appears
anew and comes into contact with the very ground of its visibility. Drawing
out and away from the photograph, we encounter those invisible forces
which condition our vision - the dynamic forces creating our experience
of the world. More than a photo. More than a letter. More than a book.
To see is always to see more than one sees. "Never does the soul
think without phantasm"
(Aristotle, De Anima III 7&8)
Maria
Kontis' Visible Invisible
(German version)
Wir befassen uns mit den Zeichnungen von Maria Kontis, da sie sogleich
das Gefühl vermitteln, dass es um mehr als die bloße Abbildung
geht. Es sind keine Kopien oder Darstellungen von etwas, das wir schon
einmal gesehen haben oder was uns aus dem täglichen Leben vertraut
ist. Vielmehr erfahren wir bei ihrer Betrachtung eine faszinierende Erweiterung
der Begrenzt- und Kontrolliertheit unseres Sehens.
Auf diesen Zeichnungen wird unserem Blickfeld etwas entzogen, zugleich
aber auch etwas hinzugefügt. Die photografische Abbildung wird gleichsam
umgewandelt. So scheinen beispielsweise die Buchstaben auf einer Seite
in die Ewigkeit abzudriften. Alles Sichtbare erscheint neu und man fragt
sich, was jede Erscheinungsform letztlich im Grunde bestimmt. In dem Moment
wo die Zeichnung den Charakter der Photografie transzendiert, kommen wir
als Betrachter in Berührung mit den unsichtbaren Kräften, die
unser Sehen bestimmen und jede Erfahrung und Erkenntnis der Welt um uns
herum erst ermöglichen. Es ist immer mehr als ein Foto. Mehr als
ein Brief. Mehr als ein Buch.
Sehen bedeutet immer, mehr zu sehen als man sieht. “Die Seele denkt
niemals ohne Phantasmen.”
(Aristoteles, De Anima III 7&8)
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